Frankreich 2002 Regie: Jacques Sarasin Boubacar Traouré ist wieder ein Star. In den 60er Jahren sang er als »KarKar« von der Unabhängigkeit seines Landes und ermutigte seine Landsleute, die zu seinen Hits »Mali Twist« und »Kayes Bar« getanzt haben. Mit dem Tod seiner geliebten Frau änderte sich sein Leben und seine Musik. Der frühere »afrikanische Elvis«, erfand für sich in sehr persönlichen Liedern den African Blues, trat aber nicht mehr auf, bis ein begeisterter Musikproduzent den fast verschollenen Künstler aufspürte. Mit Konzerten und neuen Aufnahmen ist der wiederentdeckte Boubacar Traouré jetzt populärer als je zuvor. Regisseur Jacques Sarasin hat Boubacar Traouré auf seinen Reisen durch Mali begleitet und lässt Freunde und prominente Musikerkollegen wie Ali Farka Touré zu Wort kommen. Das filmische Porträt eines engagierten Künstlers. mehr...
Uruguay 2007Regie: Enrique Fernández & Cesar Charlone Beto lebt mit Frau und Tochter in dem verschlafenen Städtchen Melo im Nordosten Uruguays. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit waghalsigen Schmuggeltouren per Fahrrad über die brasilianische Grenze. Eines Tages gerät ganz Melo aus dem Häuschen. Papst Johannes Paul II. hat seinen Besuch angesagt und will seine Uruguay-Tournee ausgerechnet in dieser kleinen Stadt beginnen. Mehr als 50 000 Menschen würden zu diesem Ereignis erwartet. Fortan haben die Einwohner von Melo nur noch eines im Sinn: der riesigen Volksmenge, die den Papst empfangen wird, Sandwichs und Getränke zu verkaufen. Anders jedoch Beto. Er überlegt sich pfiffig, vor seinem Haus ein kostenpflichtiges Klo zu bauen, doch der Bau des Toilettenhäuschens wird zum unerwarteten Abenteuer, das Beto an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringt ... Eine wahre Geschichte über Träume, die in einer globalisierten Welt von Medien gemacht und geschürt werden. Berührend, humorvoll und tragikomisch. Der Film beschreibt mit Finesse und authentischen Bildern den Alltag in der lateinamerikanischen Kleinstadt. El baño del papa wurde auf mehreren internationalen Festivals ausgezeichnet und war 2008 der offizielle Oscar-Beitrag aus Uruguay. mehr...
Mali 2006 Regie Abderrahmane Sissako Melé ist Sängerin in einer Bar, ihr Mann arbeitslos. Sie teilen sich mit anderen Bewohnern den Hinterhof eine Hauses in Malis Hauptstadt Bamako, der zudem noch von Hühnern und Ziegen bevölkert wird, durch den Hochzeitsgesellschaften ziehen und wo regelmäßig der große Waschtag zelebriert wird. Und mitten in diesem bunten Kosmos des afrikanischen Alltagslebens findet eine Gerichtverhandlung statt, in der Vertreter der afrikanischen Zivilgesellschaft Klage erheben gegen die Aktivitäten des internationalen Währungsfond IWF und die Entwicklungspolitik der Weltbank, die mit ihren Projekten und Planungen das Land zugrunde richten. Eine brillante und vergnügliche Anklage gegen die Ausplünderung Afrikas. mehr...
Regie: Theo Angelopoulos, Griechenland 1986
Tschad 2006Regie: Mahamat-Saleh Haroun Der vom Bürgerkrieg zerrissene Tschad: Der 16-jährige Atim erhält von seinem Großvater einen Revolver, damit er den Mann töten kann, der seinen Vater getötet hat. Atim verlässt sein Dorf und geht in die Hauptstadt N’Djamena auf der Suche nach einem Mann, den er nicht kennt. Er findet den Mörder namens Nassara, der sich mittlerweile niedergelassen hat und eine Bäckerei betreibt. Atim lässt sich als Lehrling einstellen und beginnt das Handwerk zu lernen. Langsam kommen die beiden sich näher. Nassara ahnt nichts von Atims wirklichen Plänen und möchte ihn sogar als Sohn adoptieren. Dieser ist zunehmend unsicher, ob er Rache nehmen soll und erkennt in dem Bäcker die Vaterfigur, die er immer vermisst hat. Die Beziehung, die Atim zum Mörder seines Vaters entwickelt, ist zu komplex, als dass eine Pistole Klarheit schaffen könnte. Und doch läuft alles auf eine gewaltsame Konfrontation hinaus …Der Film erhielt bei Filmfestspielen in Venedig den Großen Spezialpreis der Jury.mehr...
Ägypten 2005Regie: Jocelyne Saab Nach Abschluss ihrer Literaturstudien im pulsierenden Kairo möchte Dunia Tänzerin werden, wie ihre Mutter es war. Gleichzeitig ist die attraktive junge Frau fasziniert vom Sufismus und seiner Poesie. Als sie heiratet, geschieht dies mehr, weil ihr Verlobter Mamdouh ihr keine Ruhe lässt, nicht weil sie es wirklich will. Was Liebe und Zärtlichkeit bedeuten können, erfährt Dunia erst, als sie mit dem Schriftsteller Beshir das Vergnügen der Sinne kennenlernt und erlebt, wie eng dieses mit dem Vergnügen der Worte verknüpft ist. Intime Träume und sinnliche Zitate aus der Literatur klingen in Jocelyne Saabs traumwandlerisch zartem Film an und erzählen von einem Ägypten, das auf halbem Weg nach den ersehnten Idealen steckt. Und von einer Frau, die behutsam zu sich selber finden will und eine Wunde der Kindheit zu überwinden sucht, die nicht nur eine Wunde des Körpers ist. Die Regisseurin Jocelyne Saab. will eine Diskussion in Gang bringen über das Frausein im arabischen Raum. Sie schafft nicht nur das: weil sie die Frage nach dem, was Zärtlichkeit, Sinnlichkeit und liebevoller Umgang überhaupt sind, offen und sensibel stellt, lässt sich ihr Film weltweit lesen, verstehen und übertragen. mehr...
Brasilien 2003Regie: Eliane Caffé Das kleine Dorf Javé irgendwo in Brasilien soll in der Flut eines geplanten Staudamms verschwinden. Um ihren Heimatort zu retten, greifen die Bewohner zu einer ungewöhnlichen Verteidigungsstrategie: Der Lebenskünstler und ehemalige Postbeamte Antonio Biá, der als einziger des Schreibens mächtig ist, soll ein Buch der Geschichte des Ortes erstellen, um für diesen sozusagen einen »Denkmalschutz« zu erwirken. Antonio hört allen zu, macht sich Notizen und plötzlich ist Javé voller abenteuerlicher Geschichten, die bis in die Zeiten der Konquistadoren zurückreichen.Ein wunderschöner Film über die Kraft des Wortes, des Geschichtenerzählens und der Phantasie. mehr...
Hongkong/Australien 2000 Regie; Clara Law Ein junger Japaner sucht via Internet seinen Traumwagen, einen Citroen DS, das einstige Kultauto in Frankreich. In Australien findet er ein besonders schönes Exemplar, doch statt des Mannes, mit dem er Online-Kontakt hatte, trifft er auf ein 17-jähriges blindes Mädchen, das mit ihm zu einer Reise quer durch den australischen Kontinent aufbricht. Eine packend gestaltete Reise ins Innere der Familiengeschichte des Mädchens und eine Reise in archaisch anmutende Landschaften und Gefühlswelten.
Theo Angelopoulos – Griechenland – 1980In einem meisterlichen filmischen Monument zog Theo Angelopoulos 1980 bereits eine ernüchternde Bilanz in Sachen irregelaufenen sozialistischen Ideologien. Am Beispiel des sagenumwobenen Volksbefreiers Alexander entwarf er eine Figur, die auszog, fremde Herrscher zu besiegen und das Land befreite, um zurückzukehren und eine eigene Herrschaft einzurichten.
Regie: The Angeliopoulos, Griechenland 1977 – Am Silvestertag des Jahres 1976 findet eine Gruppe von Jägern in der Nähe des loanninasees in Mittelgriechenland die Leiche eines Partisanen aus dem Bürgerkrieg der späten vierziger Jahre im Schnee. Das Blut, das aus dem Körper rinnt, ist frisch. Die Jägergruppe, alles Repräsentanten des Bürgertums, der Politik und Wirtschaft sowie ein abtrünniger Kommunist, bringen die Leiche in ihr Hotel, wo sie die Untersuchung und den Jahreswechsel erwarten. Sie erleben eine Silvesternacht, in der Geister und Ängste ihrer Vergangenheit sie beschäftigen. Da der Körper immer noch blutet, beginnt eine Reise hinein in die Geschichte der einzelnen Figuren und die Geschichte des Landes. Vergangenheit ist nie vorbei, sie lebt in der Gegenwart. Die Frage ist höchstens, wie die Gegenwart mit ihr umgeht.
Regie: Theo Angelopoulos, Griechenland 1988
Theo Angelopoulos schickt den fünfjährigen Alexander zusammen mit seiner elfjährigen Schwester Voula auf die Suche nach dem Vater. Ihre Reise gleicht der Irrfahrt des Odysseus: Sie fahren, stranden, verweilen und ziehen weiter in Richtung verheissenes Land. Einmal beginnt es zu schneien, und die Welt steht still – nur die beiden Kinder bewegen sich weiter in ihr. Das ist einer jener magischen Momente, die typisch sind für das Kino des grossen Filmpoeten, der hier die Kindheit in der heutigen Zeit betrachtet, das Erwachsenwerden und das Träumen.
Regie: Fernando Perez, Kuba 1998
Fernando Pérez erzählt in seinem Spielfilm Das Leben ist Pfeifen von Havanna und von drei Menschen, die hier auf der Suche nach dem persönlichen Glück sind. Mariana, eine junge Ballett-Tänzerin, würde liebend gerne die Rolle der Giselle tanzen und begehrt genauso enthusiastisch die Körper junger Männer. Der Musiker Elpidio wurde als kleiner Junge von seiner Mutter Cuba verlassen, weil er nicht nach deren Wünschen geraten war. Jetzt lebt der Mischling von seinen Mutter-Mythen umrankt und lernt eine junge Umweltaktivistin kennen, die in Havanna per Heissluftballon gelandet ist. Julia schliesslich arbeitet als Pflegerin in einem Altersheim. Regelmässig überkommen sie Gähnanfälle, und sie schläft gar ein, als ihr besonderer Einsatz fürs Allgemeinwohl ausgezeichnet werden soll. Es gibt vieles, was Julia in ihrem Leben verdrängt. Allein beim Stichwort «Sex» fällt sie schon in Ohnmacht. Doch mit ihrem Hang zur Verdrängung, lernt Julia, ist sie nicht allein. Das ist der ultimative Kuba-Film, der fasziniert mit seiner lateinamerikanischen Erzählweise, in der die Grenzen zwischen dem Alltag und dem Traum oft fliessend sind, mit der karibischen Musik und ihren Rhythmen, der unbändigen Lust am Doppelsinnigen, das natürlich auch eine stark politische Komponenten enthält.
Peru 2005Regie: Claudia Llosa Madeinusa, ein junges Indiomädchen lebt mit ihrem Vater, dem Bürgermeister und ihrer Schwester in einem abgelegenen Tal in den Anden. In diese archaische Welt gerät unversehens der Fotograf Santiago aus Lima. Der mit einer guten Portion schwarzen Humor getränkte Erstlingsfilm der 29-jährigen Peruanerin Claudia Llosa zeigt eine archaische Indio-Kultur, die nach ganz eigenen Gesetzen funktioniert, aber sie zeigt auch die Widersprüche innerhalb dieser Kultur. Claudia Llosa ist die Nichte des international bekannten peruanischen Schriftstellers Mario Vargas Llosa. Für MADEINUSA wurde sie mit mehreren Festivalpreisen ausgezeichnet.
Regie: Paolo & Vittorio Taviani, Italien 1982
San Miniato, Italien, 10. August 1944, in der Nacht des San Lorenzo. Heimlich schleicht sich eine Gruppe von BewohnerInnen aus ihrem Heimatdorf in der Toskana, um den US-amerikanischen Befreiern entgegenzueilen, während die Zurückgebliebenen in der Kirche Schutz erhoffen und einem Vergeltungsschlag der Deutschen zum Opfer fallen. "La notte di San Lorenzo" von Paolo und Vittorio Taviani ist jener Film, der an einem unvergesslichen Abend mehr als 8'000 Menschen auf der Piazza Grande in Locarno in seinen Bann zog mit seiner filmischen Zauberkraft und der Friedensbotschaft.
NO TIME TO DIE ist eine turbulente afrikanische Komödie über Liebe und Tod.
Asante fährt ein glänzendes, schwarzes Auto, mit dem er berufsmäßig Leichen transportiert. Er und sein Assistent Issifu bringen die Toten von der ghanaischen Hauptstadt Accra in ihre Dörfer, wo die Beerdigungszeremonien stattfinden.
Asante liebt seinen Beruf. Doch er hat ein Problem. Welche Frau will schon mit einem Leichenwagenfahrer zusammen sein? Bis Esi in Asantes Leben tritt. Esi ist eine junge Tänzerin, die ihre tote Mutter in deren Heimatdorf bringen will. Für Asante ist es Liebe auf den ersten Blick. Und mit Hilfe Issifus gelingt es ihm sogar, das Herz des schönen Mädchens zu gewinnen. Doch Esis Vater will nicht von der Liaison seiner Tochter mit dem jungen Mann wissen. Nur über seine Leiche, so sagt er, kommt eine Hochzeit in Frage. Asante gibt nicht auf. Wild entschlossen, Esi zu heiraten, schreckt er auch nicht davor zurück, ein paar übernatürliche Tricks anzuwenden...
Burkina Faso 2005 Regie: Dani Kouyate Ouagadougou ist die Hauptstadt von Burkina Faso. Der Name allein ist schon Musik. Und nun kommt aus diesem Land ein Film mit dem schönen Titel »Ouaga Saga«. Eine aberwitzige Komödie mitten aus dem Leben in Afrika, das auf der Leinwand in seiner ganzen Buntheit blüht. Filmemacher Dani Kouyaté erzählt die Geschichte einer Gruppe von jungen Leuten, die sich durchschlagen müssen in einem der ärmeren Stadtviertel, auf der Suche nach Hoffnung und Perspektiven. Das Geld fehlt, nicht aber der Ideenreichtum. Und so lassen sie sich allerhand einfallen und genießen das örtliche Kino als Paradies und Fluchtpunkt. Ob sie es wohl schaffen, sich den Traum vom Multiplex zu erfüllen, in dem sie gleich mehrere Geschichten zeigen können? Wer weiß. Dani Kouyaté setzt die Realität in seiner Heimat Burkina Faso in einer Geschichte um, die aus dem Leben gegriffen ist und in den Alltag hinein inszeniert. So nah sie mitten im Treiben drin ist, so wunderbar leicht ist sie auch wieder überhöht, bis sie am Ende abhebt vom Planeten Erde und davon schwebt. Ausgezeichnet mit dem Großen Preis des FESPACO-Filmfestivals von Ouagadougo. mehr...
Regie: Mansour Sora Wade, Senegal 2001
Ein eigenartiger Nebel liegt schon zu lange Zeit über einem Fischerdorf am Meer. Kein Gebet, kein Opfer kann den Fluch abwenden. Mbanick, der Sohn des verstor-benen Marabuts, wagt es, den Geistern zu misstrauen und bringt die Sonne zurück ins Dorf. Mbanick kann danach Maxoy seine Liebe beteuern. Nur geht Yatma, sein bester Freund wie sein Rivale, gleichzeitig zum Äussersten, so dass für ihn ein neuer Fluch beginnt. «Ndeysaan» ist eine freie Adaptation des gleichnamigen Romans des senegalesischen Autors Mbissane Ngom. Dieser ist ein Lebu, entstammt also einem kleinen Volk von Fischersleuten, die an der Atlantikküste leben und arbeiten. Das Meer ist alles, was sie zum Leben brauchen. Mansour Sora, selber ein Lebu, wollte diesen Film in jener Region drehen, in der auch der Roman angesiedelt ist. Und wenngleich er sich gewisse Freiheiten herausgenommen hat in der Umsetzung des Buchs, so ist es ihm doch wichtig gewesen, alles auf der Basis der Realität zu drehen. «Was mich an dieser Geschichte vor allem interessiert hat, war das Phänomen, dass eine Person nicht ein für alle Mal ein vorweg bestimmtes Verhalten haben muss. Sie kann sich entwickeln und oft widersprüchlich oder zwiespältig sein.»
Argentinien 1992 Regie: Fernando Solanas Der 17-jährige Martin lebt mit seiner Mutter und dem ungeliebten Stiefvater in Ushuia, der südlichsten Stadt der Welt. Dem Jugendlichen fehlt in der argentinischen Eiswüste jegliche Lebensperspektive. Mit dem Fahrrad macht er sich auf die Suche nach seinem Vater, der irgendwo in Brasilien leben soll. Die Suche wird zu einer erlebnis- und erfahrungsreichen Reise quer durch Lateinamerika. Auf den Spuren der Ureinwohner, der Eroberer und Exilanten lernt Martin die harte Wirklichkeit, aber auch die Schönheit der Länder Lateinamerikas kennen. Die Reise, der wohl berühmteste Film des argentinischen Meisterregisseurs Fernando Solanas (»Sur – Der Süden«), ist Road Movie, bitterböse Satire und Liebeserklärung an Südamerika zugleich. Visuell eindrucksvoll, poetisch und phantastisch. Nicht zuletzt die Filmmusik von Astor Piazzolla macht Die Reise zu einem besonderen Erlebnis. mehr...
Regie: The Angelopoulos, Griechenland 1984
Spiros, ein ehemaliger Partisan, kehrt nach 32 Jahren Exil in der Sowjetunion in seine griechische Heimat zurück. Hier wird er in jenem Dorf, das er einst verteidigt hat, Zeuge eines in Gang befindlichen Ausverkaufs von Boden wie von Idealen. Spiros versucht sich zu wehren, derweil sein Sohn, ein Filmemacher, die Geschichte seines Vaters in einen Film packen möchte. Theo Angelopoulos selber bezeichnete den Film als eine Art Otto e mezzo und er beschrieb damit einerseits die Krise, in die hinein ihn der vorangegangene Mammut O Megalexandros gestürzt hatte, aber auch die Tatsache, dass er mit der Figur eines Filmemachers das Erfassen und Erzählen von Wirlichem thematisiert.
Regie: Theo Angelopoulos. Griechenland 1970
Noch während der Zeit der Militärdiktatur drehte Angelopoulos seinen ersten Spielfilm, „Die Rekonstruktion“. In ein entlegenes Bergdorf im Norden Griechenlands kehrt ein Μann zurϋck, der als Fremdarbeiter lange Zeit in der Bundesrepublik Deutschland gelebt hat. Daheim sind die Kinder inzwischen schulreif geworden, pflegt die Μυtter eine Liebschaft mit einem anderen. Das Liebespaar bringt den Heimkehrer um und verscharrt seine Leiche im Garten. Verdacht wird geschöpft, eine polizeiliche Untersuchung beginnt, und Journalisten treffen im Dort ein. Das eigentliche Thema ist die Abgeschlossenheit des Dorfes, das sich in Schweigen hält und gegen jegliche feindliche Kraft (Polizei, Presse, Regierung) zur Wehr setzt, was auch immer geschieht. Eine antistaatliche Haltung, die einen Grundsatz der griechischen Geschichte bis heute darstellt.
Kongo 2007Regie: Jacques Sarasin Im Jahr 1925 geboren und als »lebendes Denkmal« der kongolesischen Musik bekannt, verdankt Papa Wendo seinen Ruhm dem Lied »Marie-Louise«, dem man im Volk magische Kräfte zuschrieb, da es angeblich Tote wieder zum Leben zu erwecken oder die Flussgeister zum Tanzen zu bringen vermochte. Wendos Leben gleicht einem Roman: Schon früh zum Waisen geworden, war er zehn Jahre lang Fährmann und anschliessend Boxer, bevor er Sänger wurde. Jacques Sarasin (»Je chanterai pour toi/ African Blues«) zeigt nicht nur Wendos Wiedersehen mit seinen alten Musikern, sondern auch wunderbare Szenen aus dem Alltagsleben und lässt uns die Musik hautnah erleben. Nach langer Pause nimmt Papa Wendo Kontakt zu seinen früheren Gefährten auf und vereint 30 junge und ältere Musiker, mit denen er die kongolesische Rumba dem heutigen Zeitgeschmack anpassen will. Gitarren, Patengué und Mukuassa sollen erneut von Kinshasa bis nach Europa zu hören sein. mehr...
Kuba/UdSSR 1964 Regie: Mikhail Kalatozov »Soy Cuba« erzählt in vier Episoden die Geschichte der kubanischen Revolution. Man schreibt das Jahr 1958, das letzte Jahr der Diktatur Fulgencio Batistas. Während die ersten zwei Episoden das Leid der Bevölkerung anprangern – eine junge Frau ist gezwungen, sich für amerikanische Touristen zu prostituieren; ein Bauer muss mit ansehen, wie ihm ein amerikanischer Multi sein Land entreisst –, werden in den Episoden drei und vier die Revolutionäre gefeiert – ein Aktivist der studentischen Stadtguerilla wird von Batistas Polizei verfolgt; ein Bauer in der Sierra Maestra schliesst sich den Revolutionären an, nachdem seine Hütte von der Armee zerstört worden ist. Der Film war 30 Jahre lang verschollen. Francis Ford Coppola und Martin Scorsese fanden eine Kopie des zur Legende gewordenen Films – und halfen so mit, ein faszinierendes Meisterwerk dem Vergessen zu entreißen. »Soy Cuba« ist Revolutionskino in der Tradition eines Pudowkin oder Eisenstein, doch verpflanzt in das tropische Ambiente eines Landes, das sich soeben vom neokolonialistischen Joch befreit hat.
Kolumbien 1993 Regie: Sergio Cabrera Ein altes Haus in einem Vorort der kolumbianischen Hauptstadt Bogota soll entmietet werden. Der Besitzer, ein neureicher Yuppie, will die Bewohner rauswerfen. Doch der abgetakelte Rechtsanwalt Romero, der alte Anarchist Jacinto, Gabriel, der sich als Gabriela verkauft, ein skurriler Pater und die anderen wundersamen Bewohner wissen sich zu helfen. Sie haben keine Chance, aber die nutzen sie: Die Strategie der Schnecke.»Ein Film mit umwerfendem Witz und lateinamerikanischen Charme – populäres lateinamerikanisches Kino im besten Sinne des Wortes: Politisch engagiert, aber gleichzeitig mit viel Kraft und Spaß inszeniert« (TIP)
Kuba 2003Regie: Fernando Pérez Eine Liebeserklärung an die Stadt Havanna und ihre Bewohner. Fernando Pérez lässt uns 24 Stunden am Leben in seiner Heimatstadt teilnehmen und zeigt uns ein Dutzend »durchschnittlicher« Kubaner an einem Tag vom Aufstehen bis zum Schlafengehen: Der Bahnarbeiter Heriberto, der gern Musiker wäre, der Arzt Juan Carlos, der als Clown auftritt, ein Vater, der sich liebevoll um seinen behinderten Sohn Francisquito kümmert, ein pensionierter Professor für Marxismus, dessen 79jährige Frau an der Ecke der einstigen Prachtstrasse Prado Erdnüsse verkauft, um die karge Rente aufzubessern, Jorge Luis, der in die USA auswandern will ... Nach der Arbeit beginnt die Welt der Nacht, in der die Träume zu den Sternen wachsen und Musik, Rhythmus und Tanz das Sein bestimmen.
Argentinien 1988 Regie Fernando Solanas Floreal kehrt zurück nach Buenos Aires. Fünf Jahre hatte er in Gefängnissen und Lagern im Süden, in Patagonien zugebracht. Nun am Ende der Militärdiktatur in Argentinien wandert er ruhelos durch das nächtliche Buenos Aires, eine Rückkehr in eine veränderte Stadt, in einen politischen Aufbruch, in eine frühere Liebesgeschichte. Erinnerungen, Visionen, Träume, all das verbindet sich in diesem bewegenden Film, unterstützt von der wunderbaren Musik des Bandeonisten Astor Piazzola. »Wer Tangos liebt, der wird diesem Film verfallen.« (Wolf Donner)
Regie: Theo Angelopoulos, Griechenland 1973 Sofianos, ein ehemaliger Spitzel der Polizei, wird verhaftet und nimmt sich im Gefängnis eine Geisel. Die Handlung um diese Geiselnahme und die Versuche, ihn zum Aufgeben zu bewegen oder zu vergiften, scheitern. Es braucht einen Scharfschützen, der die Sache erledigt. Mit dem zweiten Spielfilm Tage von 36 eröffnetTheo Angelopoulos seine grosseund einzigartige historische Trilogie. Er blickt zurück aus der Zeitder Diktatur von 1967 in jene von1936, um die Mechanismen zu betrachten, die ein Land in den Zustand einer Diktatur bringen.
Meres tou 36 gehört zusammen mit den frühen Filmen eines Carlos Saura (La prima Angélica) oder den Filmen Andrej Tarkowskis (Andrej Rubljow) zu den Meisterstücken einer kritischen Analyse in einem Umfeld von unterdrückter Kultur. Alles, was relevant ist für die Zensur, spielt sich in diesem Film ausserhalb des Bildrahmens ab. Das Publikum versteht. Es liest die Zensur mit.
Senegal 1997 Regie: Moussa Touré Rambo, der stolze Besitzer eines klapprigen Busses, den er werbewirksam »TGV-Express« genannt hat, wagt sich mit einer Handvoll höchst unterschiedlicher Passagiere auf eine gefahrvolle Reise, darunter ein Ex-Minister auf der Flucht, ein europäisches Ethnologen-Ehepaar und ein Marabu, der mit seinen Zauberkünsten aber auch nicht immer rechtzeitig für Kühlwasser sorgen kann. Höchst vergnüglich und vital erzählt, gibt Moussa Tourés originell gestaltetes Roadmovie Einblicke in den afrikanischen Alltag zwischen moderner Technologie und Geisterglauben, zwischen politischer Korruption, traditioneller Stammesstruktur und kolonialem Erbe. Und es wird klar, dass Humor und unverwüstlicher Optimismus auch Teil einer Überlebensstrategie sind.
Der Maler Paul Klee hat 1914 eine Reise nach Tunesien unternommen, die ihn nachhaltig beeinflusste. Nun folgt der tunesische Filmemacher und Maler Nacer Khemir (bekannt geworden durch sein poetisches Filmmärchen „Bab’Aziz“) den Spuren Klees und lädt uns ein auf eine Entdeckungsreise in den Maghreb, hinein in die arabische Kultur. Er zeigt uns Orte, Formen, Farben und Licht, erzählt von seiner Arbeit und von Paul Klees Faszination, er denkt über die Beziehungen zwischen Okzident und Orient nach bis hin zu den Karthagern. Der Film lädt ein zur offenen Wahrnehmung.
Regie: Nacer Khemir, Tunesien 1991 Mit traumhaft schönen Bildern und im Erzählstil von 1001 Nacht beschwört der orientalische Märchenerzähler Nacer Khemir die Blütezeit der andalusisch-arabischen Hochkultur. An das weltberühmte mittelalterliche Buch «Das Halsband der Taube - von der Liebe und den Liebenden» erinnernd, schildert der Tunesier kontrastreiche Facetten der Liebe, für die allein die arabische Sprache sechzig Begriffe kennt. Dabei schafft die Geschichte von Hassan, der bei einem Meister Kalligraphie erlernt, den Rahmen für geschmeidig verknüpfte Episoden. Aus ihnen kristallisiert sich der magische Bann der Prinzessin von Samarkand heraus, deren Bild Hassan auf einer versengten Buchseite mit sich trägt. Der Film nimmt uns mit in eine Zeit, in der Dschinns (Geister) und Visionen noch real waren. In seiner Welt entdecken wir das friedliche Zusammenleben verschiedener Kulture, Religionen und Lebensformen. Wie seine Bücher folgen auch Khemirs Filme Spuren des Lebens genauso wie Spuren der Phantasie, wie sie aus dem Leben wächst. Einem Magier gleich zaubert er seine Figuren auf die weisse Leinwand, lässt er sie wandeln durch einen Raum, der von der Zeit losgelöst scheint. (wal.)
Regie: Theo Angelopoulos, Griechenland
Der Grieche Theo Angelopoulos, der Filmemacher, der im Zeitmedium Film sämtliche Zeitstrukturen aufzulösen versteht, um sie neu zusammenzufügen und so zeitlose Zusammenhänge bewusst zu machen. In seinem Meisterwerk O Thiasos (Die Wanderschauspieler) lässt er eine Schauspieltruppe durch Raum und Zeit reisen, spiegelt er an dieser Gruppe die Geschichte zwischen 1936 und 1952. Auf ihren Reisen führt die Truppe über die Jahre hinweg das Schäferstück «Golfo, die Schäferin» auf. Angelopoulos verknüpft die äußeren Umstände ihres Lebens und Arbeitens zu einem faszinierenden und vielschichtigen Gewebe, in dem verschiedene Zeiten sich an bestimmten Punkten treffen, Zusammenhänge und Tendenzen erkennbar werden. Dabei spielt er sein Stück auf verschiedenen Ebenen durch, von der privaten über die berufliche bis hin zur historischen und mythologischen. Geschichte und Politik werden anschaulich erfasst, Theater und Leben immer wieder von höheren Zusammenhängen überschattet. Es ist die kollektive Erinnerung, in die uns Angelopoulos zurückführt.
Marokko 2006 Regie: Faouzi Bensaidi Casablanca, die mythenreiche Stadt in Nordafrika, ist zugleich auch eine moderne, pulsierende Metropole voller faszinierender Kontraste. Kenza ist Verkehrspolizistin, meist steht sie in gleißender Sonne auf einer Kreuzung und dirigiert das vorbeiziehende Ballett von Motorrädern, Autos, Bussen und Lastwagen. Souad arbeitet als Putzfrau bei reichen Leuten und gelegentlich als Prostituierte. Ihr Lieblingskunde ist der Auftragskiller Kamel. Kamel, abgebrüht und wortkarg, wohnt hoch über den Dächern Casablancas. Er erhält seine Aufträge via Internet, mordet eiskalt – und ruft nach vollbrachter Tat immer Souad an. Eines Tages aber antwortet Kenza und der coole Killer verliebt sich augenblicklich in die unbekannte, aufregende Stimme. Wunderbar verrückt und verspielt, ist „WWW – What a Wonderful World“ eine ganz und gar ungewöhnliche Liebesgeschichte voll magischer Bilder, daneben aber auch eine schräge Crime-Story mit atemberaubend- tragischem Finale. Zugleich zeigt der Film das vielschichtige Gesicht von Marokkos legendärer Metropole Casablanca: Die Moderne von Internetcafés, Szenebars und kühlem Neonlicht neben Elendsvierteln, überfüllten Bussen und unfertigen Neubauvierteln. mehr...